Die realen Risse, die Härteprüfung und das Maschinenschild sind direkt vor Augen. Das Problem besteht nicht darin, ob es eine Zahl gibt, sondern darin, ob eine einzige Zahl alle Beurteilungen ersetzen kann.
Kaltgeschmiedete Schrauben mit deutlichen Kopfrissen

Auf der Baustelle befindliche Werkstücke: An einigen Köpfen sind Risse sichtbar. Die Bilder dienen lediglich zur Veranschaulichung der ungewöhnlichen Form; sie reichen nicht aus, um allein auf die Ursache zu schließen.
Nach dem Kaltfließformen weisen die Schraubenköpfe bereits Risse auf. Angesichts solcher Werkstücke stellt sich vielen zunächst die Frage: Ist das Material etwa zu hart?
Auf der Baustelle wurde tatsächlich eine Härteprüfung durchgeführt, wobei im Bild ein Wert von ca. 185 HV0.2 zu sehen ist. Doch genau hier liegt auch das Problem: Kann eine einzelne Härteangabe für das Material die Frage „Warum ist es gerissen?“ beantworten?
Die Antwort lautet: Nein.
Da bereits Risse vorhanden sind, darf man sich nicht nur auf eine einzige Zahl konzentrieren.

Detail des Risses am Schraubenkopf
Der Riss tritt bereits am Kopf zutage. Lage und Ausprägung sind wichtige Hinweise, bedeuten jedoch noch keine endgültige Ursachenklärung.
Anhand des Werkstücks lässt sich erkennen, dass der Riss bereits am Kopf sichtbar ist. Dies zeigt uns, dass während des Umformprozesses die Beanspruchung des Materials und die Anforderungen an das Produkt nicht vollständig übereinstimmten.
Alleerdings verrät uns der Riss selbst nicht direkt, welches Glied in der Prozesskette dafür verantwortlich ist. Allee Schlussfolgerungen ausschließlich auf die Härte zu stützen, wäre so, als würde man bei einem Patienten mit normalem Blutdruck davon ausgehen, dass sein Körper sonst völlig gesund ist.
Die Härte ist zwar wichtig, doch sie gibt hauptsächlich Aufschluss darüber, wie hart das Material an einer bestimmten Stelle ist. Sie kann nicht allein die Gesamtbeurteilung des Materialzustands, der Oberflächenbeschaffenheit und des tatsächlichen Umformverhaltens ersetzen.

Auf der Baustelle markierte Bereiche mit Rissen
Auf der Baustelle gekennzeichnete Bereiche, in denen Risse auftreten. Die Markierungen entsprechen den Originalmarkierungen vor Ort.
Die Härteprüfung liefert Hinweise, ist aber kein endgültiges Urteil.


Härteprüfgerät vor Ort
Härteprüfung vor Ort.
Softwareoberfläche des Härteprüfgeräts
Die Messanzeige zeigt einen Wert von ca. 185 HV0.2 an.
Die Härteprüfung liefert uns einen sehr wichtigen Hinweis und zeigt, dass vor Ort nicht einfach nach Gefühl über das Material diskutiert wird.
Doch „einen Messwert ermittelt zu haben“ ist etwas anderes, als „die Ursache des Risses bereits gefunden zu haben“.
Genauso wenig wie ein normaler Befund in einem medizinischen Untersuchungsbericht diesen Bericht insgesamt bestätigt, gilt dies auch für Materialien: Der Härteergebnis hilft zwar bei der Beurteilung, kann jedoch andere Faktoren nicht ersetzen und schon gar nicht das eigentliche fehlerhafte Werkstück ignorieren.
Daher geht es in diesem Fall weniger darum, ob „185 wirklich hoch ist“, sondern vielmehr darum: Warum konnte ein scheinbar akzeptabler Härtegrad dennoch nicht verhindern, dass nach der Umformung Risse entstanden?
Das Material muss letztendlich auf der Maschine bewährt werden.

Produktionsstandort der Kaltfließformmaschine
Standort der Kaltfließformmaschine. Das tatsächliche Verhalten des Materials im laufenden Produktionsprozess ist letztlich das Ergebnis, mit dem der Kunde konfrontiert wird.
Die Prüfergebnisse des Materials sind wichtig, doch wenn das Material beim Kunden ankommt, steht es letztlich im Kontext der konkreten Maschine, des Produkts und des kontinuierlichen Produktionsablaufs.
Eine und dieselbe Härteangabe bedeutet nicht, dass das Material bei unterschiedlichen Produkten oder an verschiedenen Umformstellen immer identisch reagiert. Produktgeometrie, Umformbedingungen und weitere Materialeigenschaften beeinflussen gemeinsam das Ergebnis.
Dies bedeutet nicht, dass die Härte unwichtig ist, sondern dass sie nicht allein die gesamte Beurteilung tragen kann.
Was der Kunde wirklich benötigt, ist nicht nur die Aussage „Härte akzeptabel“.
Den Kunden interessiert vielmehr: Kann dieses Materialserienprodukt stabil qualitativ einwandfreie Produkte liefern?
Sind bereits Risse aufgetreten, ist es sinnvoller, die fehlerhaften Teile, die Vor-Ort-Prüfungen und die tatsächlichen Einsatzbedingungen zusammen zu betrachten. So lässt sich zunächst der Problembereich klar eingrenzen, statt immer wieder über eine einzelne Zahl zu spekulieren.
Die Creation Group achtet sowohl auf die Materialparameter als auch auf das tatsächliche Verhalten des Materials auf den Maschinen unserer Kunden. Wenn auch Sie auf Fälle stoßen, in denen die Härte in Ordnung scheint, die Umformung jedoch Auffälligkeiten zeigt, können Sie uns gerne Fotos der fehlerhaften Teile, die Materialspezifikationen sowie Informationen zum Einsatzfall zusenden, damit wir gemeinsam darüber sprechen.
Bildnachweis: Allee in diesem Artikel verwendeten Bilder wurden von unseren Kunden bereitgestellt. Die Bilder der Risse dienen der Veranschaulichung der Unregelmäßigkeiten; die Bilder der Härteprüfung zeigen, dass vor Ort entsprechende Messwerte dokumentiert wurden; die Maschinenbilder verdeutlichen die tatsächlichen Umformbedingungen. Abgesehen von den explizit beschriebenen Sachverhalten in diesem Text werden keine abschließenden Schlussfolgerungen zur Ursache der Risse, zur Zuordnung der Materialchargen oder zu Verbesserungseffekten gezogen. Ebenso werden keine konkreten Prozessparameter, Bewertungsschwellen oder Optimierungsmethoden veröffentlicht.
